„Dinge von denen …“
In den letzten Monaten erweist sich die BILD-Zeitung mit ihrer Skandalberichterstattung über Britney Spears wieder einmal als Speerspitze des investigativen Journalismus` in Deutschland. Zwar versucht auch die Qualitätspresse (u.a. Spiegel, Süddeutsche Zeitung und Zeit) mit Geschichten über den öffentlichen Niedergang der ehemaligen Vorzeige-Pop-Jungfrau Auflage zu machen. Doch niemand wühlt hierzulande mit vergleichbarer Detailverliebtheit und Leidenschaft in der schmutzigen Wäsche von Britney wie die BILD. Zwar gibt auch die BILD – wie alle anderen deutschen Magazine und Zeitungen – ausschließlich Meldungen über Britney aus der US-amerikanischen Klatschpresse wieder. Doch der Umgang von BILD mit den zumeist völlig frei erfundendenen Paparazzi-Geschichten aus den USA sagt viel über das journalistische Selbstverständnis der BILD-Redakteure aus. Wenn schon die seriösen Zeitungen die BILD auf ihrem schmuddeligen Terrain angreifen, dann muss BILD zumindest noch geschmackloser, scheinheiliger und menschenverachtender sein als die Konkurrenz. Ein kurzer Überblick über BILD-Schlagzeilen der vergangenen Wochen:
„Trägt Britney was drunter? Papa Spears macht jetzt den Slip-Test!“
„Üble Schmutzkampagne gegen Britney. Jetzt wird ihr auch noch eine Abtreibung vorgeworfen“
„Britney nahm 100 Tabletten in 36 Stunden. Dazu gab`s Red Bull und Vodka“
Angesichts solcher Schlagzeilen fragt man sich nicht nur, wen so etwas interessiert. Nein, man möchte Britney Spears am liebsten zur Seite nehmen und ihr einige Liedzeilen der Band Die Ärzte ins Englische übersetzen:
„Lass die Leute reden und lächle einfach mild,
Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der BILD.
Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht,
aus: Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht!“
(aus: Die Ärzte – Lasse Reden)
P.S.: Eine lobens- und lesenswerte Ausnahme in der deutschen Berichterstattung über Britney Spears stellt der Artikel von Christine Brügge in der taz dar.
