Angriff der Wahlmutanten
Folgt man der Berichterstattung der Medien, könnte man meinen, wir wählen im Winter den Präsidenten der USA. Immerhin werden wir von einer Kanzlerin regiert, die mit in den Irakkrieg gezogen wäre und letztlich den Kanzler abgelöst hat, der den USA auch gerne mal „uneingeschränkte Solidarität“ zusicherte. Doch machen wir uns nichts vor: Die Amerikaner wählen ihren Präsidenten, nicht wir. Die Vorwahlen sind hinter’m Teich, nachts um vier.
In Deutschland gibt es zudem ebenso schöne Wahlen. In Hamburg stellt sich die Frage, ob die Grünen nach dem Frieden auf der Welt auch den Umweltschutz über Bord werfen und sich für das Steinkohlekraftwerk Moorburg entscheiden.
Zugegeben, so ein bisschen Regieren macht schon Spaß und sich mit in das Boot der CDU setzen, warum nicht? Sind die Christdemokraten erstmal im Sack, sollte es ein Leichtes sein, die CSU für sich zu erwärmen und somit den Vormarsch der Grünen in Bayern zu bereiten. Im Handumdrehen haben wir nicht nur eine rot-grüne Regierung in Nürnberg und München, sondern auch auf Landesebene grüne Entscheidungsmacher. Mit dem robusten Rückgrat der Grünen sollte dann ferner genügend Entschlossenheit vorhanden sein, um sich Österreich einzuverleiben. Das alles wird Zeit brauchen, aber warum nicht zum 100jährigen Gedenken/Jubiläum in 25 Jahren wieder alten Marotten verfallen. Fraglich nur, ob solch eine Welle von und mit Claudia Roth losgeschlagen werden kann.
Konkurrenz könnte das Projekt aber aus Hessen bekommen. Nach und nach wird ja jedem dort beigebracht, dass man seine eigene Meinung – gerade als Politiker – für sich behalten soll und somit die Öffnung der SPD gegenüber den Linken ermöglicht. Anstatt die Gelegenheit zu nutzen, sich von unnötigem Ballast zu befreien, stärkte die rote Volkspartei (noch ist damit wohl die SPD gemeint) auch noch ihren Beck. Damit steht dem grünen Imperialismus ein harter Wettstreit ins Haus: Lafontaine, Beck, Gysi – ein Gescheiterter beim politischen Comeback, ein nicht zu sehr mit eigenen Prinzipien verflochtener Machtmensch und ein populäres Sprachrohr, das in vielerlei Hinsicht an alte und ältere Zeiten erinnert. Da kann es doch nun wirklich niemanden hinter dem Ofen vorholen, wenn sich die Amerikaner zwischen einem schwarzen Messias und einer weißen Klatschtante entscheiden sollen.
