Sport, FREI?!

•September 10, 2008 • Hinterlasse einen Kommentar

Jaja, Sport ist nicht alles im Leben und dennoch ist es ganz schön wichtig. Dank EM und Olympische Spiele gab es doch kein schmerzendes Sommerloch (höchstens aufgrund von Ozonmangel). Selbst die SPD hat mit ihrem Beck-Abschuss gewartet und den unkuscheligen Teddy erst weggeschmissen als die Olympischen Spiele schon Geschichte waren. Sind die ganzen Vorwürfe an China jetzt denn auch Geschichte?

  

Aber das Nachrichtenbusiness kann sich echt die Hände reiben. Jetzt mal noch schön über’s SPD-Hickhack berichten. Nicht, dass solche Artikel nicht schon das ganze Jahr veröffentlicht wurden, aber nun muss man schon die Namen in den Formatvorlagen ändern – tschüss auch an Hubertus Heil, der Name ist aber auch nicht „links“ genug im Kampf gegen die Linke. Die Konkurrenz vom christlichen Lager zerreißt sich natürlich gleich das Maul über „innere Zerissenheit“ in der SPD, ach, aber so eine Standardsituation muss man auch rein machen.

 

 

Wo wir grad beim Thema sind: 10m Entfernung und mit dem Innenspan deutlich am Kasten vorbei, aber nein, der Miro ist ein ganz wichtiger Spieler – die gegnerische Abwehr zermartert sich jedes Mal den Kopf „Müssen wir denn noch decken oder nicht?“ Für’s Elfmeterschießen scheint es ja noch zu reichen, also kein Grund Prinz Poldi auf den Platz zu schicken (die Verwendung der Kosenamen macht einen ja direkt meschugge). Und ich war echt erstaunt, dass nach seinen zwei Treffern gegen Liechtenstein nicht eine extra Bildausgabe erschien „Luca Toni zieh dein wärmsten Armani an, Prinz Poldi erschießt Liechtenstein“. Aber das kann ja noch kommen, wenn es heute gegen die „Icemen“ geht – im Sportjournalismus ist schließlich jeder Finne ein „Iceman“ und jeder Schwarze hat Samba im Blut, auch wenn er aus Somalia kommt – da weiß man, woran man ist.

Fackeln im Sturm

•Mai 1, 2008 • Hinterlasse einen Kommentar

Nun ist es auch irgendwie geschafft, die große Schleife geht zu Ende. Damit ist nicht die Tour de France, sondern der traditionell stattfindende Fackellauf anlässlich der olympischen Spiele gemeint. Und was war das für ein schöner Anblick, selten befand sich die Fackel in so gesicherten Händen. Umringt von einer Heerschar von Polizisten und chinesischen “Tötungsmaschinen”, durfte das Flämmchen bei dann doch nicht so sicheren Umständen schon mal ausgemacht und/oder im Bus transportiert werden – nach dem Papa- nun das Olympomobil.

Die losgetretene Protestwelle sorgt vielerorts für verschiedenste Kreativitätsschübe. Dabei werden die Damen und Herren Olympioniken offiziell schnell in ihre Schranken verwiesen: Ressort Sport, nicht Politik. Die deutschen Politiker lassen sich hingegen das Fernbleiben zur Eröffnungsfeier der olympischen Spiele einfallen, um die chinesischen Offiziellen viel empfindlicher zu treffen als mit jeglicher Brandrede. Diese Berücksichtigung lokaler Gepflogenheiten ist ja sonst nicht fester Bestandteil der deutschen Außenpolitik. Gleichzeitig erhofft man sich von diesem stillen Protest womöglich ein kleines Hintertürchen: Sollte der Affront zu groß ausfallen, könnte man immer noch versichern, dass man dies nicht vermutet hätte und sich im Nebel der Unwissenheit verstecken (was im Ausland wiederum sicher glaubwürdig wär). So eine Relativierung schärferer Proteste wäre auch Kamillentee für die chronischen Bauchschmerzen in der Wirtschaft.

Und der olympische Gedanke? Nun zum Glück wird in den Medien nur auf ihn verwiesen und seine Bedeutung nicht weiter vertieft. Und wenn schon? Der Fackellauf hatte wenig Anmutendes und wäre nicht das erste Symbol, das den Praxistest der Moderne nicht besteht. Vergleiche einfach die Friedenstaube, weiß, vor blauem Hintergrund – an sich eine ganz nette Idee. Doch wer denkt schon an Frieden, wenn eine weiße Taube den eigenen Weg kreuzt? Vielmehr bricht sich die Furcht Bahnen, die Flugratte könnte Tollwut oder Vogelgrippe haben. Drum sollten wir auch das olympische Feuer ad acta legen und vielmehr die Feuerchen zum Mai hin bestaunen. (Der geneigte Leser mag nun selbst interpretieren, was es über ihn aussagt, dass er als erstes an die brennenden Autos vom 1. Mai und nicht an die Lagerfeuer in der Walpurgisnacht dachte.)

Tag der Arbeit, Fête du Travail, der 1. Mai zu Christi Himmelfahrt für viele schon jetzt die Enttäuschung des Jahres 2008. Mittags besoffen mit dem Fahrrad um den See gondeln und abends besoffen Steine schmeißen – Deutschland bewegt sich. Nur die Arbeiter von ver.di nicht. Hier darf gestreikt werden wie schon lange nicht mehr. Und so könnte der Wonnemonat Mai auch zum schweißnassen Kuschelmonat im öffentlichen Personennahverkehr werden.

Gewal(l)te Langweile

•März 28, 2008 • Hinterlasse einen Kommentar

Das öffentlich rechtliche Fernsehen ist da, um zu unterhalten, aufmerksam zu machen und zu informieren. Dass dies alles nicht zu ernst genommen werden darf, bestätigt das Vorabendprogramm der ARD. Aber ebenso das einäugige ZDF möchte bei Qualitätsverlust nicht hinten anstehen.
So stand nach vier Stunden Fussball am vergangenen Mittwoch die Dokumentation „Kampfzone Fussball – Die Gewalt spielt mit“ um Mitternacht auf dem Programm. Begründet wird die Sendung mit: „Fußball ist viel mehr als nur ein Spiel, und auch viel mehr als nur eine lustige Veranstaltung. Fußball ist eine ernste Sache und deshalb ist es wert, sich damit auch einmal ausführlich zu beschäftigen.“

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Rückblickend auf die Dokumentation mag dieser Satz womöglich stimmen, aber nicht auf die Doku zutreffen. Begleitet von actionfilmgleichen Schnitten und temporeichen Gitarrenriffs lässt die Sendung verschiedenste Beteiligte zu Wort kommen. So darf gleich zu Beginn der Student und bekennende BVB-Fan konstatieren: ‚Die Gewalt hat schon zugenommen. Gerade auch das Verständnis von Gewalt. Die Gewalt selbst hat vielleicht nicht zugenommen, aber das Verständnis von Gewalt. Das Wenn-ich-könnte-dann-würde-ich-auch, das hat zugenommen.’
Nun, was macht der geneigte Zuschauer mit solch einer diffusen Aussage? Am besten, er hält es damit wie die Doku selbst – geht kommentarlos darüber hinweg. Lieber den Geist schnell wieder locker machen und sich ein wenig von den bunten Bildern und der fetzigen Musik bei Laune halten lassen. Umgehend geht es dann nämlich schon mit der Krisenschalte zum Spiel Borussia Dortmund gegen Eintracht Frankfurt: Die Frankfurter Fans gehen nicht weiter Richtung Stadion, da einer ihrer Kumpel von der Polizei festgehalten wird. Diese Gehwegblockade ist friedlicher als die Masse vor den Türen einer MediaMarkt Eröffnung, aber der Sprecher versichert „Alles ist möglich“. Als die Polizei aber beschließt, die Fans einfach an Ort und Stelle stehen zu lassen und keine Kesselspielchen zu spielen, entscheiden sich selbige auch bald weiter zu laufen, der Anpfiff naht.

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Als wissenschaftliches Fundament der Sendung kommt ein Professor aus Hannover zu Wort, der Gewalt und Sport nicht zuletzt schon deshalb in einen Zusammenhang bringt, da man beim Sport richtig „die Sau rauslassen kann“ und auch primitivste Verhaltensweisen wie Schreien und Krach Machen nicht fehl am Platze sind. Schaulustige der Kreisklasse bestätigen diese Aussage im Interview und böse Zungen mögen fragen, wozu eigentlich noch der weiß-haarige und vollbärtige Professor befragt werden musste.

Interessanter ist die Kritik, dass beim Thema Fussball und Gewalt sehr viel Geld in Überwachung und wenig/kein Geld in Prävention gesteckt würde. An dieser Stelle wird aber nicht übertrieben lange verharrt und der Student vom Anfang darf weiter Sprechblasen fabrizieren. Er moniert die aggressive Atmosphäre, die von Polizisten mit Helmen und Schlagstöcken ausginge, die überzogenen Stadionverbote und meint, dass mehr Kommunikation und Verständnis zwischen Ordnungshüter und Fans das Problem lösen könne. Vom Studenten nichts Neues. Zudem erklärt daraufhin der Experte vom DFB, dass die maximale Strafe von fünf auf drei Jahre Stadionverbot verkürzt worden sei und Leipziger Offizielle versichern hinsichtlich des Stadtderbys: Reden bringt nix, die Leute reagieren sich sowieso ab.
Zum Ende der Sendung beschleicht den Zuschauer dann ein ähnliches Gefühl: Hingucken lohnt nicht, es kommt eh nix bei rum. Die Doku war letztlich so ausführlich wie eine Videotextseite und lieferte einen brauchbaren Erkenntnisgewinn wie der Wetterbericht vom Vortag.

„Dinge von denen …“

•März 27, 2008 • Hinterlasse einen Kommentar

In den letzten Monaten erweist sich die BILD-Zeitung mit ihrer Skandalberichterstattung über Britney Spears wieder einmal als Speerspitze des investigativen Journalismus` in Deutschland. Zwar versucht auch die Qualitätspresse (u.a. Spiegel, Süddeutsche Zeitung und Zeit) mit Geschichten über den öffentlichen Niedergang der ehemaligen Vorzeige-Pop-Jungfrau Auflage zu machen. Doch niemand wühlt hierzulande mit vergleichbarer Detailverliebtheit und Leidenschaft in der schmutzigen Wäsche von Britney wie die BILD. Zwar gibt auch die BILD – wie alle anderen deutschen Magazine und Zeitungen – ausschließlich Meldungen über Britney aus der US-amerikanischen Klatschpresse wieder. Doch der Umgang von BILD mit den zumeist völlig frei erfundendenen Paparazzi-Geschichten aus den USA sagt viel über das journalistische Selbstverständnis der BILD-Redakteure aus. Wenn schon die seriösen Zeitungen die BILD auf ihrem schmuddeligen Terrain angreifen, dann muss BILD zumindest noch geschmackloser, scheinheiliger und menschenverachtender sein als die Konkurrenz. Ein kurzer Überblick über BILD-Schlagzeilen der vergangenen Wochen:

 

Trägt Britney was drunter? Papa Spears macht jetzt den Slip-Test!“

Üble Schmutzkampagne gegen Britney. Jetzt wird ihr auch noch eine Abtreibung vorgeworfen

Britney nahm 100 Tabletten in 36 Stunden. Dazu gab`s Red Bull und Vodka

Angesichts solcher Schlagzeilen fragt man sich nicht nur, wen so etwas interessiert. Nein, man möchte Britney Spears am liebsten zur Seite nehmen und ihr einige Liedzeilen der Band Die Ärzte ins Englische übersetzen:

„Lass die Leute reden und lächle einfach mild,
Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der BILD.
Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht,
aus: Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht!“
(aus: Die Ärzte – Lasse Reden)

P.S.: Eine lobens- und lesenswerte Ausnahme in der deutschen Berichterstattung über Britney Spears stellt der Artikel von Christine Brügge in der taz dar.

Angriff der Wahlmutanten

•März 13, 2008 • Hinterlasse einen Kommentar

Folgt man der Berichterstattung der Medien, könnte man meinen, wir wählen im Winter den Präsidenten der USA. Immerhin werden wir von einer Kanzlerin regiert, die mit in den Irakkrieg gezogen wäre und letztlich den Kanzler abgelöst hat, der den USA auch gerne mal „uneingeschränkte Solidarität“ zusicherte. Doch machen wir uns nichts vor: Die Amerikaner wählen ihren Präsidenten, nicht wir. Die Vorwahlen sind hinter’m Teich, nachts um vier.
In Deutschland gibt es zudem ebenso schöne Wahlen. In Hamburg stellt sich die Frage, ob die Grünen nach dem Frieden auf der Welt auch den Umweltschutz über Bord werfen und sich für das Steinkohlekraftwerk Moorburg entscheiden.

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Zugegeben, so ein bisschen Regieren macht schon Spaß und sich mit in das Boot der CDU setzen, warum nicht? Sind die Christdemokraten erstmal im Sack, sollte es ein Leichtes sein, die CSU für sich zu erwärmen und somit den Vormarsch der Grünen in Bayern zu bereiten. Im Handumdrehen haben wir nicht nur eine rot-grüne Regierung in Nürnberg und München, sondern auch auf Landesebene grüne Entscheidungsmacher. Mit dem robusten Rückgrat der Grünen sollte dann ferner genügend Entschlossenheit vorhanden sein, um sich Österreich einzuverleiben. Das alles wird Zeit brauchen, aber warum nicht zum 100jährigen Gedenken/Jubiläum in 25 Jahren wieder alten Marotten verfallen. Fraglich nur, ob solch eine Welle von und mit Claudia Roth  losgeschlagen werden kann.

Konkurrenz könnte das Projekt aber aus Hessen bekommen. Nach und nach wird ja jedem dort beigebracht, dass man seine eigene Meinung – gerade als Politiker – für sich behalten soll und somit die Öffnung der SPD gegenüber den Linken ermöglicht. Anstatt die Gelegenheit zu nutzen, sich von unnötigem Ballast zu befreien, stärkte die rote Volkspartei (noch ist damit wohl die SPD gemeint) auch noch ihren Beck. Damit steht dem grünen Imperialismus ein harter Wettstreit ins Haus: Lafontaine, Beck, Gysi – ein Gescheiterter beim politischen Comeback, ein nicht zu sehr mit eigenen Prinzipien verflochtener Machtmensch und ein populäres Sprachrohr, das in vielerlei Hinsicht an alte und ältere Zeiten erinnert. Da kann es doch nun wirklich niemanden hinter dem Ofen vorholen, wenn sich die Amerikaner zwischen einem schwarzen Messias und einer weißen Klatschtante entscheiden sollen.

Meinungs-BILDer

•Februar 26, 2008 • Hinterlasse einen Kommentar

Dank diverser Marketingabteilungen wissen wir, dass hinter der FAZ immer ein kluger Kopf steckt, dass SPIEGEL-Leser einfach mehr wissen, dass die taz sein muss und dass der Focus seinen Lesern „Fakten, Fakten, Fakten“ liefert. So simpel und oberflächlich diese Werbesprüche auch sind, sie sagen einiges über das Selbstverständnis der jeweiligen Redaktion und Leserschaft aus. Während die oben genannten Magazine und Zeitungen gerne darauf verweisen, dass bei ihnen die „Informations-Elite“ liest (sprich überdurchschnittlich einflussreiche, gebildete und vermögende Menschen), fordert BILD seine zahlreichen Leser dazu auf, sich eine Meinung zu bilden.

Da die Bildung einer eigenen Meinung die Folge kognitiven Denkens ist – auf der Basis eigener Erfahrungen und eigenen Wissens – und der durchschnittliche BILD-Leser leider nicht zur „Informations-Elite“ gehört („dieses Schweinesystem“), sind die Jungs von der BILD Tag für Tag darum bemüht, ihren Lesern die Bildung einer eigenen Meinung abzunehmen. Der durchschnittliche BILD-Leser kann sich dadurch endlich wieder den wirklich wichtigen Dingen des Lebens widmen (Titten, Fußball und Hartz IV, alles natürlich in seiner BILD), ohne auf eine eigene Meinung verzichten zu müssen. Die BILD ist sogar so nett, dass sie nicht nur ihren Lesern deren Meinung vorschreibt, sondern diese auch noch in ihrem Irrglauben belässt, sie hätten sich ihre Meinung selbst gebildet. Man könnte diese Art von Journalismus als einseitig, manipulierend und suggestiv bezeichnen. Die BILD nennt das Ganze „volksnah“. Ein Beleg für die „Volksnähe“ der BILD ist die heutige Leser-Diskussion auf bild.de unter der Leitfrage „Darf die SPD mit der SED-Nachfolgepartei gemeinsame Sache machen“. Klar, dass die Leser der BILD zu diesem bristanten Thema eine Meinung haben, schließlich lesen sie ja BILD und wurden von dieser in den letzten Tagen umfassend aufgehetzt informiert.

Man ist der Diekmann!

•Februar 21, 2008 • Hinterlasse einen Kommentar

Kai D. hat alles erreicht. Er sieht blendend aus, er hat ein tolles Auto, eine sexy Frau, drei süße Kinder und einen klasse Job.

Kai D. ist lässig. Er verzichtet auch mal auf den Schlips.

Kai D. ist nett zu den Alten. Er hat Helmut Kohl als Trauzeugen.

Kai D. ist ein Literat. Er ist Preisträger der Goldenen Feder.

Kai D. ist ein Soldat. Er hat bei einer Bundeswehrzeitung gedient.

Kai D. ist gut bestückt. Er hat keine Penisverlängerung nötig.

Kai D. ist meinungsstark. Er findet, die Achtundsechziger stinken.

Kai D. ist Amerika-Experte. Er schenkt George W. Bush einen Fußball.

Kai D. ist ein Intellektueller. Er trägt eine Brille.

Kai D. ist ein Konservativer. Er ist zum zweiten Mal verheiratet.

Kai D. ist ein Akademiker. Er hat sein Studium abgebrochen.

Kai D. ist eine Edelfeder. Er schrieb für Bunte, B.Z. und Welt am Sonntag.

Kai D. ist die Linkspartei zu gefährlich. Er war Burschenschaftler bei Franconia Münster.

Kai D. ist zur Audienz beim Papst. Er veröffentlicht Sexanzeigen und fördert Prostitution.

Kai D. ist Chefredakteur bei der BILD. Er ist stolz darauf!

Kai D.

Klatsch mit Sauce

•Februar 18, 2008 • 1 Kommentar

Über’s Kochen im Fernsehen kann eigentlich nur zu viel gesprochen werden, wenn man bedenkt wie groß das Angebot ist. Für einen kurzen Moment soll aber auch unser Augenmerk auf der inszenierten Essenszubereitung liegen.
Vox war gestern so gut die Sendung “Kocharena” auf die Bildschirme zu jagen. Von dem Wahnsinn, diese Sendung über drei Stunden zu ziehen, einmal abgesehen, war es nicht nur für die Nerven des Zuschauers, sondern auch für die Anklatscher im Publikum ein sehr beschäftigter Tag. Selbst wer rhythmisches Klatschen noch als ein Problem des Massenpublikums zu tolerieren bereit ist, kniete gestern ehrfürchtig vor dem Bildschirm nieder, in Erwartung der heraufziehenden Apokalypse. Aus diesem Grunde hier die Top-5 der hirnrissigsten Beifallsstürme der gestrigen Folge von Kocharena:

5. Die Kandidatin Hertha erklärt, dass ihr Spitzname “Didi” auf ihr Pausenclown Dasein in der Schulzeit zurückgeht.

4. Florian König verpasst der verletzten Kandidatin Hertha ein Pflaster am Daumen.

3. Heiko Wasser liest das Horoskop von Zacherl vor, das ihm Erfolg in der Zukunft bescheinigt.

2. Rofl Zacherl schneidet ein Stückchen Fett vom rohen Rinderfilet ab, bevor er es zubereitet.

1. Zacherl schleift sein Messer.

Da war es ein beruhigendes Highlight, dass Zacherl im Eifer des Gefechtes seinen Tisch in Brand setzte - unter tosendem Applaus versteht sich.

Bohlen, Broder und blabla?!

•Februar 14, 2008 • Hinterlasse einen Kommentar

Wenn man die Seite spiegel-online.de öffnet, kann man schon mal gerne das Gefühl bekommen, dass man das gar nicht alles lesen kann, was sich dort so an Artikeln tummelt. Wenn man aber immer mal wieder, vielleicht so jeden zweiten Tag reinschaut, sieht man ganz deutlich, dass viele Artikel denselben Dunstkreis ausschwitzen. Hoch im Kurs derzeit (u.a.): DSDS und Herr Bohlen. Die regelrechte Flut der Artikel tut nicht Not, erstaunlich wer da auch alles zu Wort kommen darf. Folgender Artikel ist dabei dennoch mal ganz nett zu lesen, nicht zuletzt dank des Leservolk spaltenden Henryk M. Broder: “Denn sie wissen, was sie tun”.

Brandenburgale

•Februar 13, 2008 • Hinterlasse einen Kommentar

Die Augsburger Band Anajo prägte mit einem kleinen, feinen Liedchen die Zeile „I don’t want to be a Landei“. Ich kenne die Band besser als ihre Musik (zehn Minuten Small-Talk mit dem Sänger gegenüber den ca. drei Minuten des Songs), aber allein diese Zeile verleiht der Band Daseinsberechtigung.

Ende letzter Woche kämpfte ich mich mit Hilfe des öffentlichen Personennahverkehrs aus den Tiefen zwischen Bernau und Wandlitz zurück nach Berlin. Ich teilte die S-Bahn mit einer Gruppe Jugendlicher um die 15 Jahre, die der Lautsprecherfunktion ihres Handys hoffnungslos erlegen waren. Die BVG hat eigens für solche Augenblicke ein Hinweisschild entwickelt, dessen Aufschrift ganz entspannt daran erinnert, dass Handys meilenweit von einer Musicbox entfernt und daher nicht mal annähernd in dieser Hinsicht zu benutzen sind – leider umsonst. Und so werde ich unfreiwillig Teil der brandenburgischen „Pre-Party“ und lausche nicht nur Gröldialogen der bereits Besoffenen, sondern auch feinster „DanceTranceShance“-Musik (‚Shance’ ist dabei meine plumpe Kombination von ‚Shit’ und einer der erst genannten existierenden Genre). Neben „Du bist eine Discoschlampe“ dominiert auch folgendes Chansonhighlight: In einem kaum geahnten Wortreichtum werden hier im Refrain an die acht weiteren Begriffe für den Vollzug der geschlechtlichen Liebe gefunden. Leider verzähle ich mich ständig und bin nicht mal annähernd in der Lage, die Begriffe zwischen ‚Bumsen’ und ‚Poppen’ herauszukristallisieren. Zu dieser bäurischen Untermalung drehen sich die Gespräche überwiegend um Themen wie: Wer hat sich von wem getrennt? Wer hat vom wem dafür die Kauleiste nachgezogen bekommen? Und natürlich: Bumsen, …, Poppen.

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Dem zu entfliehen, heißt mein Ziel eindeutig Berlin. Doch was erwartet einen dort dieser Tage? Die Berlinale. Schön, wenn sich die halbe oder gar ganze Welt in Berlin versammelt, wenn Menschen aus allen Himmelsrichtungen hier einen Zwischenstop machen, um einem großen, teils kulturellen, Spektakel zu fröhnen. (Der Einfachheit halber habe ich dieses schön-Finden von den lokalen Medien übernommen.) Und ich finde es wirklich nett, wenn man für die Zeit der Berlinale auch an jeder Ecke andere Sprachen hört, jeder mag Abwechslung im Alltag. Doch im ÖPNV könnte ich gern darauf verzichten. Ich möchte einfach in meine U-Bahn steigen, anderen Leuten den Eckplatz wegnehmen und wieder keine Obdachlosenzeitung kaufen. Aber zur Zeit platzen die Touristengruppen nur so in den Wagen und versuchen ewig und vergeblich die Stationen richtig auszusprechen. Unliebsamer, um es mal gelinde auszudrücken, sind da nur noch die vermeintlichen Medienmacher und „großen Köpfe“: Ob morgens um neun oder spät nach Mitternacht, immer bamselt der Akkreditierungsausweis für die Berlinale großspurig vor der stolz geschwellten Brust – Statussymbol aus Strüppe und Pappe.

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Ähnlich verwunderlich wie diese Statussymbole sind die sich häufenden Erzählungen à la „Wir haben den und den gesehen“: Will Smith nach der Pressekonferenz, Nicole Kidman auf dem roten Teppich oder sonst wen sonst wo – immer vor Freude herausquellende Augen und bebende Stimmen. Selbes gilt ja auch für getroffene oder gesehene Sportler und Fernsehleute. Wenn man erzählen könnte, dass man Günther Netzer gesehen und ihm die Matte verstrubbelt hätte, bitte, das wäre doch was. Aber drunter sollte man bestenfalls die Klappe halten.

Ich habe vergangenen Freitag Sebastian Deisler am Flughafen gesehen. Was sagt das über mich aus? Nichts. Wem ist damit geholfen? Niemandem.

 
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